Sich ähnlich sehen

Der Wechsel von der gymnasialen Mittel- zur Oberstufe, der an den meisten seiner Mitschüler kaum als eine Zeit der Metamorphose auszumachen war, ging für ihn mit trüben, wie hinter milchigem Glas verbrachten Sommerferien einher und mit der traumatischen Erfahrung, dass er darüber sein Gesicht verlor. Freunde hatte er nicht, und so gab es in den neu zusammengesetzten Kursen niemanden, der ihn darauf angesprochen hätte. Nur manchmal bemerkte er einen Blick, mit dem man auf Vertrautes reagiert, das sich auf unerklärliche und erschreckende Weise unähnlich sieht. Sich ähnlich zu sehen, erforderte morgendliche Übungen vor dem Spiegel und eine ständige inwendige Konzentration.

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